Unbezahlte Beschäftigung nach Praktikum ist nicht rechtens

Selbst wenn eine Vergütung nicht vertraglich vereinbart ist, kann sie Arbeitenden zustehen - und muss im Zweifel eingeklagt werden.

Die aktuelle Frage zum Arbeitsrecht kommt von Klaus S.: "Eine junge Frau absolvierte ein sechsmonatiges Praktikum bei einer Fluggesellschaft. Danach wurde sie weiter beschäftigt - aber unentgeltlich. Rein äußerlich ist kein Unterschied zwischen ihr und den anderen Arbeitnehmern zu sehen, sie arbeitet sogar Schichtdienst. Hat sich hier nicht ein Beschäftigungsverhältnis entwickelt, mit der Folge, dass die Frau Anspruch auf Vergütung, Urlaub, et cetera hat?" 

-  Frankfurter Rundschau, Samstag, 16. April 2005

Sofern es sich bei dem absolvierten Praktikum nicht um ein Praktikum handelt, welches Bestandteil einer Schul-, Fachhochschul- oder Hochschulausbildung gewesen ist, sind "Praktikanten" grundsätzlich mit Volontären vergleichbar. Und auf diese findet das Berufsbildungsgesetz (BBiG) Anwendung, Paragraf 19. 

   

Volontäre erhalten Entgelt 

Im Gegensatz zu Praktikanten ist Volontären gemäß Paragraf 10 BBiG eine angemessene Vergütung zu gewähren, auf die jedoch wirksam verzichtet werden kann (Paragraf 18 BBiG). Das Volontärverhältnis endet regelmäßig mit Ablauf der vereinbarten Befristung - im vorliegenden Fall also mit dem 9. April 2005. Wird der Volontär in Anschluss an diese Befristung weiter beschäftigt, dann gilt ein Arbeitsverhältnis als auf unbestimmte Zeit begründet (Paragrafen 14 Abs. 1, 17 BBiG). 
 
Auf dieses Arbeitsverhältnis finden dann die üblichen für Arbeitsverträge geltenden Rechtsvorschriften und Rechtsgrundsätze Anwendung, also insbesondere die Paragrafen 611, 612 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), das Bundesurlaubsgesetz, das Arbeitsgerichtsgesetz et cetera. 

    

Vergütung auch ohne Vertrag 

Paragraf 611 BGB legt die Hauptleistungspflichten der Arbeitvertragsparteien fest, nämlich die Arbeitspflicht des Arbeitsnehmers und die Vergütungspflicht des Arbeitgebers. Ist wie im vorliegenden Fall mangels des Bestehens eines Arbeitsvertrages eine Vergütung vertraglich nicht vereinbart, kommt der Paragraf 612 BGB zum Tragen. Danach gilt eine Vergütung oder Entgelt als stillschweigend vereinbart, wenn die Arbeitsleistung den Umständen nach nur gegen eine Vergütung zu erwarten ist. Sofern die Arbeitsleistung hauptberuflich erbracht wird und der Arbeitnehmer seine Dienste nicht im Rahmen verwandtschaftlicher oder ehelicher Verhältnisse erbringt, ist die Entgeltlichkeit der Arbeitsleistung grundsätzlich zu bejahen. Ist die Höhe der Vergütung nicht bestimmt, so gilt die "übliche" Vergütung als vereinbart. Bei der Bemessung orientieren sich die Arbeitsgerichte an den für die jeweilige Branche einschlägigen Lohn- und Gehaltstarifverträgen. 
 
Sofern die geschilderten Voraussetzungen vorliegen, besteht grundsätzlich, sowohl ein Vergütungs-, als auch ein Urlaubsanspruch. Sollte der Arbeitgeber, nach entsprechender Aufforderung, seiner Zahlungspflicht nicht nachkommen, müsste der Anspruch klageweise vor dem zuständigen Arbeitsgericht durchgesetzt werden.